Szenario: ein MVZ mit mehreren Standorten vernetzen
Szenario: ein typischer Fall, durchgedacht so, wie ich ihn angehen würde. Kein Kundenprojekt; Namen und Zahlen sind beispielhaft.
Ein MVZ ist durch Zukäufe auf drei Standorte gewachsen, und jeder Standort hat seine IT mitgebracht. So würde ich die drei zu einem sicheren Netz zusammenführen, mit zentralen Diensten, einer Überwachung für alles und einem Notfallplan, der geübt wird.
Ausgangslage
Das MVZ hat drei Standorte mit zusammen rund vierzig Arbeitsplätzen. Die Praxissoftware läuft auf einem Server am Hauptstandort, die beiden anderen greifen über eine Fernwartungssoftware darauf zu. Jeder Standort hat einen eigenen Router, eine eigene Dateiablage und eigene Gewohnheiten. Updates spielt, wer gerade Zeit hat. Die Anbindung an die Telematikinfrastruktur besteht an jedem Standort und wird vom TI-Dienstleister betreut.
Was auf dem Spiel steht
Niemand hat einen Überblick, welche Geräte es gibt und auf welchem Stand sie sind. Ein ungepatchter Rechner an einem Standort ist ein Einfallstor für alle, weil die Fernwartung die Standorte ohnehin verbindet. Fällt die Internetleitung am Hauptstandort aus, steht die Praxissoftware für alle drei Standorte. Und nach der überarbeiteten IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV gelten für ein MVZ dieser Größe die umfangreicheren Anforderungen, die sich ohne Dokumentation kaum nachweisen lassen.
Vorgehen
1. Bestandsaufnahme an allen Standorten
Ich erfasse Geräte, Programme, Zugänge und Leitungen an jedem Standort und halte fest, wer wofür zuständig ist. Daraus entsteht eine Liste der Risiken, sortiert nach Dringlichkeit, und ein Bild davon, was zentral und was lokal laufen sollte.
2. Zielnetz
Die Standorte werden über eine feste VPN-Verbindung zwischen den Routern verbunden. Die Fernwartungssoftware wird dafür nicht mehr gebraucht. In jedem Standort gibt es getrennte Netze für Praxisrechner, Medizingeräte, Telefonie und Gäste. Benutzerkonten werden zentral verwaltet, sodass ein Wechsel im Team an einer Stelle eingetragen wird und an allen Standorten gilt. Jeder Standort bekommt eine Ersatzleitung über Mobilfunk, auf die der Router selbst umschaltet.
3. Zentrale Dienste und Datensicherung
Dateiablage, Benutzerverwaltung und Datensicherung laufen zentral. Die Sicherung folgt der 3-2-1-Regel mit einer unveränderlichen Kopie außer Haus, wie im Szenario zum Backup beschrieben. Die Praxissoftware bleibt beim Hersteller in Betreuung. Ich stimme mit ihm ab, wie Server und Sicherung zusammenspielen.
4. Überwachung und Updates
Alle Geräte melden an eine zentrale Überwachung, ob sie laufen, wie voll ihre Platten sind und welche Updates fehlen. Updates werden zentral verteilt, zuerst an eine kleine Testgruppe und danach an alle. Leitungen, VPN und Sicherungen stehen auf derselben Übersicht.
5. Umstellung Standort für Standort
Umgestellt wird nacheinander und außerhalb der Sprechzeiten, damit an jedem Tag zwei Standorte unberührt weiterarbeiten.
- VorbereitenGeräte vorkonfiguriert, Zugänge angelegt, Rückweg geplant.
- Kleinster StandortabendsNeuer Router, neue Netze, Anbindung ans VPN.
- PrüfenEin Sprechtag im neuen Netz, Rückmeldungen einarbeiten.
- Zweiter StandortabendsMit den Erfahrungen vom ersten.
- HauptstandortWochenendeZuletzt, weil hier die Praxissoftware läuft.
6. Dokumentation und Notfallplan
Am Ende gibt es einen Netzplan, eine Liste aller Geräte und Zugänge und einen Notfallplan für jeden Standort. Der Plan sagt, was das Team vor Ort selbst prüfen kann und wen es anruft. Einmal im Jahr spielen wir einen Ausfall durch, zum Beispiel den der Leitung am Hauptstandort.
Ergebnis, das ich anstreben würde
- Alle drei Standorte arbeiten in einem Netz, mit denselben Regeln und ohne Fernwartungssoftware zwischen den Standorten.
- Fällt eine Leitung aus, arbeitet der Standort über Mobilfunk weiter.
- Updates und Sicherungen laufen zentral und sind auf einer Übersicht zu sehen.
- Für die IT-Sicherheitsrichtlinie liegt eine Dokumentation vor, die den Stand belegt.
Was es braucht
Vom MVZ braucht es eine Ansprechperson pro Standort und Abende oder ein Wochenende, an denen umgestellt werden darf. Zu entscheiden ist, welche Dienste zentral laufen und wer künftig den Alltag betreut. An Kosten fallen neue Router, Mobilfunkverträge für die Ersatzleitungen, gegebenenfalls ein zentraler Server und die Zeit für Planung und Umstellung an. Den genauen Rahmen klären wir im Erstgespräch.
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